Bundesrat lehnt «Ernährungsinitiative» ab
Bern, 11.08.2026 — Bern, 11. August 2026 – Die Volksinitiative «Für eine sichere Ernährung – durch Stärkung einer nachhaltigen inländischen Produktion, mehr pflanzliche Lebensmittel und sauberes Trinkwasser (Ernährungsinitiative)» enthält zwar wichtige agrarpolitische Anliegen hinsichtlich Ernährungssicherheit, Umwelt- und Trinkwasserschutz. Bundesrat und Parlament lehnen die Initiative jedoch ab, weil die vorgeschlagenen Massnahmen zu weit gehen und innerhalb der vorgesehenen Frist nicht realistisch umsetzbar sind.
Am 27. September 2026 stimmen die Schweizer Stimmberechtigten über die Volksinitiative «Für eine sichere Ernährung – durch Stärkung einer nachhaltigen inländischen Produktion, mehr pflanzliche Lebensmittel und sauberes Trinkwasser (Ernährungsinitiative)» ab. Die Initiative verlangt, dass künftig mindestens 70 Prozent der in der Schweiz konsumierten Lebensmittel im Inland produziert werden sollen. Dazu soll die Landwirtschaft ihre Produktion stärker auf pflanzliche Lebensmittel ausrichten und gleichzeitig den Einsatz von Pflanzenschutzmittel und Dünger reduzieren. Diese Ziele müssten innerhalb von zehn Jahren nach Annahme der Initiative erreicht werden.
Die Ernährungssicherheit langfristig stärken und gleichzeitig die Umweltbelastung der Land- und Ernährungswirtschaft weiter reduzieren, sind wichtige Ziele des Bundesrats. Diese sind jedoch bereits in der Bundesverfassung verankert, und die Schweizer Landwirtschaft leistet schon heute einen wichtigen Beitrag zu deren Erreichung. Zudem will der Bundesrat im Rahmen der Weiterentwicklung der Agrarpolitik diesbezüglich weitere Fortschritte erreichen. Im Unterschied zur Initiative setzt er dabei jedoch auf schrittweise und praktikable Anpassungen, die den Betrieben die notwendige Zeit für Investitionen und Umstellungen lassen.
Nach Ansicht des Bundesrates ist es kaum realistisch, den Netto-Selbstversorgungsgrad innerhalb von zehn Jahren auf 70 Prozent zu erhöhen. Dafür wären tiefgreifende Veränderungen in der landwirtschaftlichen Produktion, der Lebensmittelverarbeitung und insbesondere im Konsumverhalten der Bevölkerung erforderlich. Der Konsum von Fleisch, Milch und Eiern müsste deutlich zurückgehen, während pflanzliche Lebensmittel einen wesentlich grösseren Anteil der Ernährung ausmachen müssten. Um die Vorgaben der Initiative umzusetzen, wären starke staatliche Eingriffe notwendig. Dies würde die unternehmerische Freiheit der Landwirtinnen und Landwirte sowie die Wahlfreiheit der Konsumentinnen und Konsumenten erheblich einschränken.
Gleichzeitig könnte die kurze Umsetzungsfrist dazu führen, dass bestehende Investitionen in landwirtschaftliche Produktionsanlagen, etwa in Stallbauten, nicht vollständig amortisiert werden können. Um den Wandel sozialverträglich zu gestalten, wäre deshalb eine zusätzliche finanzielle Unterstützung durch den Bund notwendig. Dies würde erhebliche Mehrkosten für den Bund verursachen.
Bundesrat und Parlament empfehlen deshalb, die Ernährungsinitiative abzulehnen.
Weblinks:
Link zur Seite der BK : Details zu Volksinitiativen
Link zur aktualisiert Seite BLW : https://www.blw.admin.ch/de/ernaehrungsinitiative