ETH-Bereich stärkt bestehende Zusammenarbeit mit dem VBS und armasuisse
Bern, 22.05.2026 — An seiner Sitzung vom 20./21. Mai diskutierte der ETH-Rat die Rahmenbedingungen der Zusammenarbeit mit dem VBS und dem Bundesamt für Rüstung armasuisse, die gemäss der Rüstungspolitischen Strategie des Bundesrats intensiviert werden soll. Wie der Bundesrat lehnt auch der ETH-Rat die Initiative gegen eine «10-Millionen-Schweiz» ab. Zudem ernannte der ETH-Rat drei neue Mitglieder der Direktion des PSI und zwei der Direktion der WSL.
ETH-Bereich und VBS/armasuisse stärken bestehende Zusammenarbeit
Die Rüstungspolitische Strategie des Bundesrats sieht angesichts der aktuellen geopolitischen Situation einen Ausbau der Investitionen in sicherheitsrelevante Forschung, Entwicklung und Innovation vor. Auf dieser Basis wird die bestehende Zusammenarbeit zwischen dem ETH-Bereich und dem VBS, insbesondere mit dem Bundesamt für Rüstung armasuisse, intensiviert und erweitert. Der ETH-Rat unterstützt den Ausbau der Kooperation, gleichzeitig diskutierte und verabschiedete er die diesbezüglichen Rahmenbedingungen.
So werden die Institutionen des ETH-Bereichs die bereits heute geleisteten Beiträge zur Verteidigungsfähigkeit der Schweiz künftig noch wirkungsvoller einbringen und weiter ausbauen. Gleichzeitig soll der Anteil der Forschungs- und Innovationstätigkeiten, die militärischen Zwecken dienen oder aus Gründen der Vertraulichkeit sensitiv sind, beschränkt bleiben und in dafür vorgesehenen Infrastrukturen und an Standorten stattfinden – also nicht direkt an den Hochschulen und Forschungsanstalten des ETH-Bereichs.
Die Finanzierung der verstärkten Forschungs- und Innovationstätigkeiten soll durch zusätzliche Mittel und damit ausserhalb des Globalbudgets des Bunds für den ETH-Bereich sichergestellt werden. Die Beiträge des ETH-Bereichs erfolgen in Form von Eigenleistungen. Der ETH-Bereich behält sich zudem das Recht vor, spezifische Technologien und deren Anwendungsgebiete ein- oder auszuschliessen. Den Mitarbeitenden des ETH-Bereichs steht es frei, ob sie sich an Aktivitäten im Bereich der Verteidigungstechnologien beteiligen möchten. Die Institutionen des ETH-Bereichs haben dabei den erhöhten Anforderungen an die Sicherheit dieser Forschung Rechnung zu tragen.
ETH-Rat gegen «10-Millionen-Schweiz»
Der Erfolg des ETH-Bereichs basiert unter anderem auf der Offenheit und Internationalität der Schweiz. Der ETH-Bereich ist dabei auf stabile und verlässliche Beziehungen mit seinen internationalen Partnern angewiesen. Besonders wichtig sind für einen starken Forschungs- und Entwicklungsstandort die Personenfreizügigkeit, damit er die besten Forschenden und Mitarbeitenden anziehen kann, sowie die Teilnahme an den EU-Programmen für Forschung, Bildung und Innovation. Die Umsetzung der Volksinitiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» würde indessen zur Kündigung der Personenfreizügigkeit mit der EU führen und hätte den Ausschluss der Schweiz aus den EU-Programmen zur Folge. Zu diesem Schluss kommt ein Rechtsgutachten im Auftrag von swissuniversities. Die Volksinitiative gefährdet damit eine zentrale Rahmenbedingung für den Forschungs-, Bildungs- und Innovationsstandort Schweiz. Wie der Bundesrat lehnt auch der ETH-Rat die Volksinitiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» daher ab. Die ausführliche Stellungnahme des ETH-Rats finden Sie hier.
Drei neue Mitglieder in der Direktion des PSI
Chantal Büchi, Leiterin des HR am PSI, wird zum Direktionsmitglied ernannt. Sie bringt über 20 Jahre Erfahrung in Kaderpositionen im HR-Bereich und umfangreiches Fachwissen mit. In ihren bisherigen Funktionen, unter anderem bei der Zühlke Engineering AG, als Leiterin HR und Mitglied der Geschäftsleitung, begleitete sie Unternehmen in dynamischen Wachstums- und Expansionsphasen erfolgreich. Sie ist diplomierte Betriebsökonomin und hat neben dem Executive Master in Human Ressource Management zahlreiche Weiterbildungen absolviert. Sie setzt sich dafür ein, dass personalstrategische Fragen für die nachhaltige Entwicklung und Wettbewerbsfähigkeit des PSI auf oberster Führungsebene mitgestaltet werden.
Prof. Dr. Marc Janoschek, Leiter des Centers für Neutronen und Myonenforschung, wird ebenfalls zum Direktionsmitglied ernannt. Sein wissenschaftlicher Fokus ist auf neuartige und funktionale Eigenschaften von Quantenmaterialien gerichtet, die er an Grossforschungs-anlagen untersucht. Er war nach seinem Studium an der University of California und am Los Alamos National Laboratory tätig. Von 2018 bis 2025 leitete er am PSI das Labor für Neutronen- und Myoneninstrumentierung, seit 2025 ist er Leiter des Centers für Neutronen- und Myonenforschung. Zudem ist er seit 2020 ausserordentlicher Professor für Experimentalphysik an der Universität Zürich.
Dr. Martin Schindler hat Anfang Jahr die Leitung des Centers for Corporate Services übernommen und wird ebenfalls zum Mitglied der Direktion ernannt. Martin Schindler blickt auf eine über 25-jährige Industriekarriere zurück mit den Schwerpunkten Strategie, Finanzen, Technologie und Infrastruktur und verfügt über umfangreiche Erfahrungen in der Leitung grosser Linienorganisationen und Transformationen. Die letzten zwölf Jahre war er in der Energiewirtschaft tätig. Er ist diplomierter Wirtschaftsinformatiker und promovierte an der Universität St. Gallen im Bereich Projekt- und Wissensmanagement, daneben hat er Weiterbildungen im Bereich Finanzanalytik und Corporate Governance absolviert.
Zwei neue Mitglieder in der Direktion der WSL
Prof. Dr. Arthur Gessler wird den thematischen Schwerpunkt Wald in der Direktion der WSL nach der Pensionierung von Dr. Thomas Wohlgemuth übernehmen und zum Direktionsmitglied ernannt. Arthur Gessler gehört zu den einflussreichsten Wissenschaftlern in der Forschung zu Waldökosystemen. Mit über 350 wissenschaftlichen Publikationen hat sich der Titularprofessor als Experte in der Waldökologie und der Klimawandelforschung etabliert. Er doktorierte und habilitierte danach im Jahr 1994 an der Universität Freiburg Deutschland zu Baumphysiologie. Seit dem Jahr 2014 leitet er die Langfristige Waldökosystem-Forschung (LWF) und führt derzeit die neu gegründete Forschungseinheit für Wald- und Bodenökologie an der WSL sowie das Forschungsnetzwerk Swiss Forest Lab.
Dr. Nadine Salzmann wird nach der Pensionierung von Prof. Dr. Jürg Schweizer das Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) leiten und zum Direktionsmitglied ernannt. Sie ist eine von drei Forschungsbereichsleitenden in Davos und leitet das Forschungszentrum CERC (Climate Change, Extremes and Natural Hazards in Alpine Regions). Nadine Salzmann fokussiert in ihrer Forschung auf kryosphärische und atmosphärische Prozesse im Hochgebirge unter schnell wechselnden klimatischen Bedingungen. Sie doktorierte 2006 an der Universität Zürich und kam nach verschiedenen Forschungsstationen 2021 ans SLF in Davos.
Der ETH-Rat bedankt sich bei den abtretenden Direktionsmitgliedern des PSI und der WSL für ihr langjähriges Engagement und wünscht den neuen Mitgliedern viel Erfolg und Erfüllung in ihrer neuen Aufgabe.