Zum Hauptinhalt springen

RedeVeröffentlicht am 7. Juni 2026

Schweizerisches Trachtenchorfest

Sursee, 07.06.2026 — Rede von Bundespräsident Guy Parmelin, Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF)

Es gilt das gesprochene Wort!

Meine Damen und Herren mit oder ohne Tracht,

Mesdames, messieurs en vos titres, fonctions et très nombreux qualités

Liebe Festgemeinde,

Herzlichen Dank für die Einladung zum heutigen Festtag nach Sursee.

Das Trachtenchorfest – Sie hören es - ist für mich als Waadtländer kein einfaches Wort. Zusammengesetzt aus drei Worten: Trachten – Chor - Fest.

Gerne gehe ich kurz darauf ein:

Trachten – Des Costumes traditionels sagen wir auf französisch – der erste Wortteil. Trachten sind für mich einfach wunderschön. Schauen Sie sich herum. Einfach fantastisch. «Kleider machen Leute» – das wusste schon Gottfried Keller.

Und wenn das stimmt, dann machen Trachten nicht nur Leute, sondern sie prägen ganze Landschaften, Dialekte und Weltanschauungen. In der Schweiz gibt es über 700 verschiedene Trachten. 700! Das ist fast mehr Vielfalt, als der kleinste Staat der Welt Einwohner hat.

Et ce qui est beau dans tout cela, c’est que les costumes traditionnels ne diffèrent pas seulement d’un canton à l’autre, mais parfois même d’un village à l’autre ou d’un jour à l’autre. On peut dire : en Suisse, le costume traditionnel permet de reconnaître si quelqu’un vient de la montagne, de la vallée ou même du village voisin. Ou encore si c’est un jour de semaine ou un dimanche.

Les costumes traditionnels sont de petites œuvres d’art. Ils jettent un pont entre le passé et le présent. Ils nous relient à notre histoire, à nos traditions et à notre artisanat. Et ils montrent que la mode n’est pas un sujet apparu seulement depuis Instagram ou Zalando. Nos ancêtres savaient déjà exactement comment faire impression – avec style, étoffe et fierté.

C’est pourquoi la Fédération nationale des costumes suisses a été fondée il y a plus de 100 ans. Depuis lors, elle veille à ce que nos costumes traditionnels, chants folkloriques et danses populaires soient préservés, entretenus et renouvelés. En d’autres termes : depuis 1926, la FNCS offre ce dont un patrimoine culturel vivant a besoin : des structures, des échanges, de la formation continue – et beaucoup de cœur. Plus de 15 000 membres, 650 groupes, 26 associations cantonales. Les quatre régions linguistiques. Toutes les couleurs, tous les motifs, toutes les histoires. Une Suisse en miniature.

Der heutige Rahmen hier in Sursee ist der perfekte Ort, um dieses Jubiläum zu würdigen. Wir blicken zurück auf ein Jahrhundert Engagement. Und wir blicken nach vorne – voller Zuversicht. Denn Trachten sind nicht nur Erinnerung. Sie sind Zukunft. Sie verbinden. Sie geben Halt. Sie machen Freude. Wie drücken wir aber diese Freude am besten aus? Ganz einfach. Mit Singen. Zum Beispiel zusammen im Chor.

Und damit bin ich beim zweiten Wortteil.

Chor.

Das gemeinsame Singen, so wie Sie es nun überall auch hier in Sursee gehört haben oder noch hören werden. Alle Sängerinnen und Sänger sind mitinander verbunden. Jede einzelne Stimme zählt, ist abgestimmt auf die anderen Stimmen, rein, zart, kräftig, egal ob jung oder alt, Mann oder Frau, ob aus Herisau, Bellinzona oder aus Glovelier.

Oder sogar aus dem fernen Kanada wie hier in Sursee. Diese Stimmen verschmelzen zu einem Ganzen.

Das Singen im Chor fördert Aufmerksamkeit und Verbundenheit. Es verbindet Generationen und überwindet sprachliche Grenzen. Es stärkt das Gemeinschaftsgefühl, weil es gegenseitiges Zuhören voraussetzt. Gegenseitiges Zuhören? Ja, Sie haben richtig gehört. Es wäre schön, wenn man sich in der Politik auch öfter gegenseitig zuhören würde.

Gemeinsames Singen im Chor wie auch das Zuhören löst Emotionen und Freude aus. Der belgische Schriftsteller Phil Bosmans hat einmal sinngemäss gesagt: Wenn man sich an den kleinen Dingen im Leben freuen kann, wird das Leben zu einem Fest.

Und das ist das, was wir heute hier feiern. Und Sie merken es - damit bin ich ganz unauffällig beim dritten Wortteil gelandet: Fest. Das Fest hier in Sursee folgt dem Motto bodenständig, traditionell und lebendig. Bodenständig – das sind wunderbare Trachten und Materialien. Stoffe aus Naturfasern, verarbeitet mit handwerklicher Präzision.

Tief verwurzelt in unserer Landwirtschaft, in unserem Textilhandwerk, in der Geschichte einer Industrie, die die Schweiz einst weltberühmt machte. Traditionell und lebendig – das sind neben den Trachten auch Volkslieder und Volkstänze. Sie gehören ebenso zu unserem Kulturerbe. Sie werden von Generation zu Generation weitergegeben. Mit Herzblut. Mit Leidenschaft.

Auf der Webseite des heutigen Festes steht – Achtung, ich zitiere wieder als Romand und bitte um entsprechende Nachsicht:

«Metmache. Metfiire. Z’metztdrinen. Do schlod s’Härz för üsi Kultur – ond du körsch dezue!»

Und wenn ich hier in die Runde schaue, dann sehe ich genau das: Menschen, die mittendrin sind. Menschen, die stolz sind auf ihre Traditionen. Menschen, die zeigen, dass Vielfalt nicht trennt, sondern verbindet. Ich fühle mich heute zugehörig. Verwurzelt. Eben: bodenständig, traditionell und lebendig. In diesem Sinn wünsche ich Ihnen allen ein frohes, buntes und musikalisches Fest hier in Sursee.

Ein Fest, das zeigt, was die Schweiz ausmacht: Vielfalt, Gemeinschaft – wunderbares Singen und natürlich eine richtig schöne Tracht.

Vielen Dank.