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MedienmitteilungVeröffentlicht am 6. März 2026

Aussenpolitischer Bericht 2025: Bundesrat setzt auf fokussierten und wirksamen Multilateralismus

Bern, 06.03.2026 — Der Bundesrat hat an seiner Sitzung vom 6. März 2026 den Aussenpolitischen Bericht 2025 verabschiedet. Der Bericht legt Rechenschaft über die aussenpolitischen Aktivitäten des vergangenen Jahres ab und zieht zur Halbzeit eine Bilanz der Aussenpolitischen Strategie 2024–2027. Im Zentrum steht die Frage, wie die Schweiz in einem zunehmend polarisierten Umfeld ihre Interessen wahrt und zu einem handlungsfähigen Multilateralismus beiträgt.

Multilateralismus im Umbruch – Klarheit und Fokus als Antwort

Die internationale Ordnung ist fragiler und weniger berechenbar geworden. Geopolitische Spannungen, neue Machtverschiebungen und innenpolitische Vorbehalte gegenüber internationaler Zusammenarbeit verändern die Rahmenbedingungen multilateraler Kooperation grundlegend. Für die Schweiz als global vernetzter und exportorientierter Staat bleibt eine funktionierende regelbasierte Ordnung jedoch zentral.

Der Bundesrat analysiert im Schwerpunktkapitel die Ursachen dieser Entwicklung und zieht daraus Schlussfolgerungen für die Schweiz. Er setzt deshalb auf einen fokussierten Multilateralismus. Entscheidend ist nicht die stetige Ausweitung internationaler Normen, sondern die konsequente Anwendung und gegenseitige Beachtung bestehender Verpflichtungen. Ein wirksames Völkerrecht lebt von Verlässlichkeit, Reziprozität und demokratischer Legitimation. Weiterentwicklungen müssen sich am Bedarf orientieren und dem Subsidiaritätsprinzip Rechnung tragen.

Internationale Zusammenarbeit muss für die Bevölkerung nachvollziehbar bleiben und messbare Resultate erzielen. Wo Fortschritte blockiert sind, nutzt die Schweiz deshalb neben etablierten Organisationen vermehrt flexible Koalitionen und thematische Allianzen.

Halbzeitbilanz der Aussenpolitischen Strategie 2024–2027

Mit dem Bericht zieht der Bundesrat eine Halbzeitbilanz der laufenden Legislaturstrategie. Von insgesamt 28 Zielen ist er bei 16 auf Kurs. Die Verschlechterung gegenüber dem Vorjahr ist vor allem auf die angespannte weltpolitische Lage und die finanziellen Rahmenbedingungen zurückzuführen.

Im Schwerpunkt Europa ist der Bundesrat bei den Zielen gegenüber der EU, den Nachbarstaaten und Schengen auf Kurs. Mit dem Paket «Stabilisierung und Weiterentwicklung der Beziehungen Schweiz–EU (Bilaterale III)» wurde 2025 ein zentraler Meilenstein erreicht: Die Abkommenstexte wurden gutgeheissen und die Vernehmlassung durchgeführt. Die Unterzeichnung und die Botschaft an das Parlament sind für den erste Quartal 2026 vorgesehen.

Im Bereich Multilateralismus hat der Bundesrat seine Anstrengungen erhöht und ist mehrheitlich auf Kurs. Die Umsetzung der Agenda 2030 bleibt jedoch anspruchsvoll.

Beim Schwerpunkt Frieden und Sicherheit konnte die Schweiz ihre Rolle in der Friedensdiplomatie und bei Guten Diensten stärken. Gleichzeitig erschweren geopolitische Spannungen Fortschritte in der Rüstungskontrolle, und die humanitären Bedürfnisse nehmen weiter zu.

In den Bereichen Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit sowie Demokratie und Gouvernanz ist der Bundesrat überwiegend auf Kurs. Die Schweiz behauptet ihre internationale Spitzenstellung in Bildung, Forschung und Innovation und stärkt ihre wirtschaftliche Diversifizierung. Im Bereich Umwelt sind die Ziele teilweise gefährdet; die geopolitische Fragmentierung bremst globale Fortschritte.

Internationales Genf und strategische Weiterentwicklung

Der Bericht unterstreicht die Bedeutung des Internationalen Genfs als zentralen Standort des Multilateralismus. Die Schweiz stärkt ihre Rolle als Gaststaat und setzt sich dafür ein, dass internationale Organisationen effizient arbeiten, ihre Kernmandate wahrnehmen und Doppelspurigkeiten abbauen.

Gleichzeitig richtet der Bundesrat den Blick nach vorn. Themen wie Klima, globale Gesundheit und neue Technologien prägen Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit langfristig. Das Internationale Genf bleibt dabei ein zentraler Hebel, um wissenschaftliche Expertise mit diplomatischer Gestaltungskraft zu verbinden und globale Standards aktiv mitzuprägen.

Orientierung an klaren Grundsätzen

Der Bundesrat hält an Ziel 9 der Aussenpolitischen Strategie 2024–2027 fest: Die Schweiz setzt sich für einen fokussierten Multilateralismus ein, der sich an der regelbasierten Ordnung, Subsidiarität und Kohärenz orientiert und zu einer sicheren Welt beiträgt.

Gerade in einer Phase geopolitischer Umbrüche bleibt internationale Zusammenarbeit für die Schweiz kein Selbstzweck, sondern ein strategisches Instrument zur Sicherung von Frieden, Stabilität und Wohlstand.

Aussenpolitischer Bericht 2025